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"Das fühlt sich an wie Matchmaking"

Lea Pürling kreiert das visuelle Erscheinungsbild von ZEIT Campus. Die Geschichten des Studierendenmagazins bringt sie mit den passenden Gestalter*innen zusammen – aber auf keinen Fall allein, wie sie uns beim Besuch erzählt.

"Das fühlt sich an wie Matchmaking" -

Bei der Arbeit fühlt sich Lea Pürling manchmal wie eine visuelle Vermittlerin. Sie weiß, welche bildlichen Stimmen am besten zu den Geschichten von ZEIT Campus passen – und kreiert so das Erscheinungsbild des Studierendenmagazins. Aber auf keinen Fall allein, erzählt die Art-Direktorin bei unserem Besuch im Helmut-Schmidt-Haus in der Hamburger City. Ein Gespräch über gemeinsames Brainstorming, gestalterische Haltung und gewachsenes Selbstvertrauen.

Liebe Lea, was war früher dein Traumberuf?

Früher wollte ich Floristin werden. Ich habe stundenlang draußen Blumen gepflückt, sie gesammelt und angeordnet. Später habe ich Grafikdesign für mich entdeckt – da gab es dann auch keinen Plan B oder C mehr.

Und wie nah dran ist deine Arbeit als Art-Direktorin?

Sogar ziemlich nah dran. Damals haben mich Blumen inspiriert, heute sind es Formen, Farben und Typografie. Blumen sind zwar ein ganz anderes Medium, aber das Komponieren verschiedener Elemente und das Finden von Balance funktioniert im Magazinlayout ganz ähnlich.

Der größte Schritt vom Grafikdesign zur Art-Direktion war für mich, mehr Verantwortung zu übernehmen. Ich setze heute die gestalterische Richtung und die visuelle Sprache für jedes Heft und organisiere Prozesse, statt nur einzelne Seiten zu gestalten.

"Nach dem Studium musste ich mir erstmal ein Repertoire aufbauen."

Wie bist du zu ZEIT Campus gekommen?

Kurz vor meinem Bachelor gab es eine Phase, in der ich vieles hinterfragt habe. Damals hatte ich das Gefühl, Design sei übersättigt und verliere an Bedeutung, weil es so leicht reproduzierbar war. In der Bilderwelt von Instagram und Pinterest wirkte vieles sehr homogen: Alles sah ähnlich aus, von allem gab es bereits sehr viel. Ich habe mich gefragt, was man im Grafikdesign noch Neues machen kann. In meinem ersten Job bei einem Verlag merkte ich aber dann, dass die Geschichten das Neue mit reinbringen und die Gestaltung sich dadurch immer weiterentwickeln kann. Ich habe dort total wichtige Erfahrungen gesammelt, die dazu geführt haben, dass ich ein Jahr später bei ZEIT Campus gelandet bin.

Hier habe ich zuerst als Grafikdesignerin gearbeitet. Am Anfang war das herausfordernd, denn nach der Studienzeit musste ich mir erstmal ein Repertoire aufbauen: Wie entwickle ich überhaupt Ideen für eine Geschichte? Wo gibt es Illustrator*innen? Was brauche in inhaltlich, um eine gute visuelle Geschichte zu entwickeln?

"Meine Rolle sehe ich vor allem darin, die anderen zu bestärken."

Welche Eigenschaften sind besonders wichtig, um deinen Job gut zu machen?

Du musst auf jeden Fall teamfähig sein. Wir erarbeiten und konzipieren das Heft gemeinsam. Dazu gehört unser Grafikdesigner Frieder, unsere Bildredakteurin Frauke und immer auch Hospitant*innen.

Meine Rolle sehe ich vor allem darin, die anderen zu bestärken. Als Art-Direktorin muss ich den anderen ermöglichen, ihre Ideen zu realisieren und ihnen dazu den nötigen Input geben. Manchmal kommt es natürlich trotzdem vor, dass ich bei schwierigeren Entscheidungen die Verantwortung übernehme.

Fällt dir diese Verantwortungsübernahme leicht?

Wenn du mehr Verantwortung hast, musst du Entscheidungen besser abwägen. In meiner vorherigen Position als Grafikdesignerin hatte ich immer schnell eine starke Meinung. Ich habe gelernt, mir dafür jetzt mehr Zeit zu nehmen.

Was begeistert dich am meisten an deiner Arbeit?

Was mich richtig begeistert, ist wenn ich eine Illustratorin oder einen Artist gefunden habe, der perfekt zu einer Geschichte passt und den vielleicht auch noch niemand entdeckt hat. Das fühlt sich manchmal an wie Matchmaking.

Und: das Brainstormen mit meinen Kolleg*innen. Die Ideen entstehen bei mir nicht zuhause unter der Dusche, sondern wenn wir zusammen den Text lesen und gemeinsam überlegen, was dazu gut passen könnte.

Also arbeitest du gerne mit neuen Artists?

Total – ich bin da sehr experimentierfreudig und probiere gerne neue Dinge aus. Oft sind das tolle Erfahrungen, denn wir arbeiten gerne mit Illustrator*innen und Fotograf*innen zusammen, die selber noch jung sind, so wie unsere Zielgruppe. Das bedeutet manchmal, dass sie noch etwas weniger Erfahrung mitbringen, aber sie haben die Verbindung zu unserer Zielgruppe.

Wie viele schlechte Ideen braucht es für eine gute?

Das variiert. Manchmal ist die perfekte Idee sofort da und alle sind von Anfang an überzeugt. Manchmal muss man ein paar Runden drehen. Nur weil ich eine Idee gut finde, heißt dass nicht, dass die Idee auch gut beim Chefredakteur ankommt. Aber dieses Feedback ist wichtig, um die eigenen Gedanken besser auf den Punkt zu bringen.

"Ich finde es wichtig, den Themen von jungen Menschen eine Plattform zu bieten."

Spielt Social Media für deine Ideenfindung eine große Rolle?

Auf jeden Fall. Ich versuche, mich da aufzuhalten, wo unsere Leser*innen sind. Das ist aber nicht nur auf Instagram und TikTok, sondern auch auf dem Flohmarkt, in Bars oder Cafés.

Was fasziniert dich an den Inhalten, die ihr bei ZEIT Campus bearbeitet?

Ich finde es wichtig, den Themen von jungen Menschen eine Plattform zu bieten. Ihre Geschichten visuell zu erzählen, fühlt sich sehr sinnvoll an. Und was wäre die Welt ohne Geschichten? Wahrscheinlich ziemlich langweilig.

Ist es dir wichtig, als Gestalterin Haltung zu zeigen?

Ich habe für mich schnell erkannt, dass ich Inhalte gestalten will, die einen Beitrag zur Gesellschaft leisten. Das Gefühl habe ich bei ZEIT Campus. Ich kann hier auch selbst Geschichten vorschlagen, die ich wichtig finde.

Als Redaktion haben wir Werte für uns festgelegt. Wir achten zum Beispiel sehr darauf, dass wir diverse Protagonist*innen haben und die Geschlechterbalance unserer Fotograf*innen und Illustrator*innen ausgewogen bleibt.

"Wir buchen Fotograf*innen nicht nur wegen ihres Stils, sondern weil sie neue Perspektiven einbringen. Das lässt sich von KI nicht ersetzen."

Eure Redaktion denkt Print und Online inzwischen immer mehr zusammen. Wie läuft das genau?

Das ist ein spannender Prozess und für mich ein ganz neues Spielfeld. Ich werde Print, glaube ich, immer etwas mehr lieben. Trotzdem faszinieren mich Bewegtbild, Ton, Animation und die Synergien, die sich daraus ergeben, aktuell total. Seit letztem Jahr haben wir zum Beispiel eine neue Kochkolumne eingeführt, bei der für unser Social Media Format in einer WG-Küche gekocht wird. Das Rezept dazu findet sich dann im Heft. Es ist inspirierend, wenn sich beide Seiten beeinflussen.

Wie steht ihr zur Nutzung von KI?

Das Thema wird uns noch sehr stark begleiten. Bei ZEIT Campus wird KI allerdings eher als Recherchetool genutzt und bisher weniger im kreativen Schaffensprozess. Wir buchen Fotograf*innen oder Illustrator*innen nicht nur wegen ihres Stils, sondern weil sie neue Perspektiven einbringen. Dieser gemeinsame Prozess lässt sich von KI nicht ersetzen. Außerdem arbeiten wir ja mit echten Geschichten und echten Menschen. Und die wollen wir auch in der realen Welt fotografieren. Das gehört für uns zu einem journalistischen Ansatz ganz klar dazu.

Videoproduktion: moodmacher+

Fotos: moodmacher+

Mehr erfahren: ZEIT Campus / Lea Pürling

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