Menschliche Kreativität punktet
UX-Researcherin Tara Bosenick, UX-Sustainablity-Aktivist Thorsten Jonas und UX-Designerin Viviane Harder teilen ihre Insights zum Umgang mit KI.
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UX-Researcherin Tara Bosenick, UX-Sustainablity-Aktivist Thorsten Jonas und UX-Designerin Viviane Harder teilen ihre Insights zum Umgang mit KI.

KI für UX Design besser zu verstehen und mitzugestalten – darum ging es beim Design Talk am 15. April 2026. Die Expert*innen Tara Bosenick (UX Spezialistin und Researcherin), Thorsten Jonas (UX Designer und Aktivist für digitale Nachhaltigkeit) sowie Viviane Harder (UX/UI Designerin und Leiterin der KI-Taskforce bei Sherpa Design) teilten dabei ihre Insights im Umgang mit Künstlicher Intelligenz.
"Auf keinen Fall mit der KI diskutieren."
"Künstliche Intelligenz kann sprachlich gut formulieren, ist aber wirklich nicht perfekt," fasst Tara Bosenick ihre Erfahrungen mit Large Language Models zusammen, die sie für KI-Prompts im Bereich UX Research nutzt. LLM wie ChatGPT sind bei einem komplexen Prompt schnell überfordert, deshalb empfiehlt sie Quellen immer nachzuprüfen. Die Sprachmodelle wollen gefallen und erfinden Antworten. "Leider wissen das viele Nutzer*innen nicht." Tara schlägt vor, statt ChatGPT lieber das zuverlässigere Modell "Claude" zu verwenden.
Das nächste ihrer Learnings lautet: LLM sind faul – deshalb sollte man sich nie mit der ersten Antwort zufriedengeben, sondern immer nachhaken. Wenn im Chat etwas Falsches steht, wird die Antwort darauf basieren. Ist etwas fehlerhaft, sollten wir am besten sofort einen neuen Chat starten, so ihr Rat. "Und auf keinen Fall mit dem Modell diskutieren, was wahr oder falsch ist – sonst können Halluzinationen entstehen!"
"Sprachmodelle suggerieren eine Sicherheit, die es nicht gibt", betont Tara. Sie befinden sich noch in der Entwicklungsphase und erinnern mit ihrem launischen, unehrlichen und dabei cleveren Verhalten an das "Pubertier", sagt die UX Researcherin und gibt uns eine Checkliste für bessere Ergebnisse zur Hand:
Taras Tipp für mehr Unabhängigkeit von den Produkten amerikanischer Techkonzerne ist das französische LLM "Mistral". Abschließend rät sie dem Publikum, beim Prompten Schritt für Schritt-Argumentationen einzufordern: "Wie bist Du darauf gekommen?"


"KI ist von Narrativen getrieben", sagt Thorsten Jonas. Vor allem von "KI macht alles super" und "KI macht alles billiger." Beides kann dem Realitätscheck nicht standhalten. Als UX Consultant unterstützt er Designteams dabei, nachhaltige digitale Produkte zu entwickeln und KI verantwortungsvoll einzusetzen. "Tatsache ist, ein Prompt auf ChatGPT kostet viel mehr als eine Websuche."
Was also kostet uns KI? Das Thema KI ist mit ökologischen Konsequenzen verbunden. Sowohl das Betreiben riesiger Serverfarmen als auch das Bauen von Chips verbraucht Unmengen von Energie und verschmutzt die Umwelt. Zudem werden beim Abbau seltener Erden Menschenrechte missachtet, erklärt der UX-Designer.
"Am Ende sind es unsere Entscheidungen und Fragen, die die KI-Realität mitgestalten."
Weitere Aspekte, die uns selbst unmittelbar betreffen: Je dichter man an großen Data Centern lebt, desto höher ist der Strompreis, und kreative Arbeit wird ohne Kompensation für Trainingssets genutzt. Oder das Thema Effizienz: "Wir nutzen mehr KI, aber das Leben wird gar nicht entspannter, sondern noch hektischer", betont Thorsten.
Die Narrative besagen, wir müssten uns alle an die KI anpassen – das stimme so nicht. Denn diese Narrative kommen von großen Techfirmen, die damit Geld verdienen. Wenn wir Tools amerikanischer Konzerne nutzen, heißt das, wir akzeptieren auch deren Realitäten. "Aber das müssen wir ja nicht. Am Ende sind es unsere Entscheidungen und Fragen, die die KI-Realität mitgestalten", stellt Thorsten fest. Deshalb sollten wir uns immer wieder fragen:
KI gestalten heißt auch, mehr ehrliche Geschichten darüber zu erzählen. Viele von KI generierte Dinge entsprechen nicht der Wahrheit. "Wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung und sollten KI bewusster nutzen", so sein Fazit.


Viviane Harders Team bei Sherpa Design beschäftigt sich viel mit Accessibility, Barrierefreiheit und Barrierearmut. "Wir wollen Künstliche Intelligenz nur da einsetzen, wo sie ein Produkt verbessert." Man sollte den Einsatz gut überlegen, rät sie, und dabei folgende Fragen klären:
"Wenn wir Design automatisieren, automatisieren wir auch Bedeutung."
Daraus entsteht ein KI Playbook als Grundlage für die Entscheidungen bei Sherpa. "Wir sind dabei, unsere Vision mit den Prinzipien daraus zu definieren und Handlungsweisen abzuleiten, die in den Workflow integriert werden", sagt Viviane.
Bei Design geht es immer auch um Bedeutung. "Wenn wir anfangen Design zu automatisieren, automatisieren wir nicht nur die Prozesse, sondern auch die Bedeutung." Das sei ein entscheidender Punkt, denn "Design ist letztendlich eine Form von Sprache und wir Designer*innen sind Übersetzer:innen. Wir übersetzen Inhalte – und Design als Sprache gestaltet auch Diversity."
Durch die Nutzung von KI reduziert sich die Arbeit nicht, sie wird nicht effizienter, sondern verdichtet sich immer mehr, erklärt Viviane Harder. "Ich denke, für uns als Designer*innen ist es wichtig, Grenzen zu setzen und bewusst zu entscheiden, wann KI sinnvoll ist, für das was wir machen, aber auch für uns selbst." Zum Abschluss gibt Viviane allen eine beruhigende Feststellung mit auf den Weg: "Ich glaube daran, dass Kreativität von Menschen bei anderen Menschen immer punkten wird."